Die Berufung zum Schamanen und der Initiationsprozess

Das sind die vier wichtigsten Phasen des schamanischen Initiationsprozesses:

  1. 1. Die Vorberufung: Erste Zeichen und spirituelle Empfänglichkeit
  2. 2. Die Berufung: Der Ruf der Geister
  3. 3. Die Initiation: Prüfungen und Transformation
  4. 4. Die Nach-Initiation: Der Weg des Schamanen

1. Die Vorberufung: Erste Zeichen und spirituelle Empfänglichkeit

In vielen Kulturen gibt es Hinweise darauf, dass die Reise eines Schamanen nicht zufällig beginnt. Oft zeigen sich bereits in der Kindheit oder frühen Jugend besondere Zeichen, die als Hinweise auf eine schamanische Berufung zu deuten sind. Dazu gehören:

  • Eine starke Verbindung zur Natur und Tieren
  • Außergewöhnliche Wahrnehmungsfähigkeiten oder übersinnliche Erlebnisse
  • Wiederkehrende Träume oder Visionen
  • Besondere Sensibilität gegenüber Energien oder Stimmungen anderer Menschen
Der hölzerne Adler als Krafttier
Die Berufung zum Schamanen und der Initationsprozess - Altar von Jutta Krone

2. Die Berufung zum Schamanen: Der Ruf der Geister

Wenn die Vorzeichen immer stärker werden, kann ein Mensch irgendwann den „Ruf“ der Geister empfangen. Dieser Ruf äußert sich oft durch:

  • Eine innere Gewissheit, eine bestimmte Aufgabe erfüllen zu müssen
  • Intensivierte Träume oder Visionen
  • Begegnungen mit Geistwesen oder Ahnen

Plötzliche Lebensumbrüche oder schwere Prüfungen
Nicht jeder, der solche Zeichen erhält, entscheidet sich, dem Ruf zu folgen. Einige Menschen ignorieren oder unterdrücken ihn, was jedoch oft zu wiederkehrenden Krisen oder Herausforderungen im Leben führt. In vielen indigenen Kulturen wird der Ruf von erfahrenen Schamanen oder Ältesten erkannt und begleitet.

3. Die Initiation: Prüfungen und Transformation

Die schamanische Initiation ist eine entscheidende Phase in der Ausbildung eines Schamanen und ein tiefgreifender, transformatorischer Prozess. Infolgedessen ist sie Teil der Berufung, welche man als Übergangsritus oder Übergang in ein neues Stadium des Lebens versteht. Daher markiert sie den Beginn eines Weges, auf dem der angehende Schamane auf seine neue Rolle vorbereitet und in die Geheimnisse und Praktiken des Schamanismus eingeweiht wird. 

Die Initiation kann auf unterschiedliche Weise erfolgen und dient dazu, das Bewusstsein des Individuums zu erweitern und seine Verbindung zum geistigen Reich zu vertiefen. Dabei kann der Initiationsprozess sowohl physische als auch spirituelle Prüfungen wie Krankheiten, Krisen oder Nahtoderfahrungen beinhalten. Der Abschluss des Initiationsprozesses ist das „Schamanische Sterben“. Es bezieht sich auf den spirituellen Prozess des Todes und der Wiedergeburt (im schamanischen Zusammenhang) und kann sowohl den tatsächlichen physischen Tod als auch symbolische Sterbeprozesse bedeuten, bei denen alte Muster, Identitäten oder Ego-Aspekte „sterben“, um Platz für Transformation und Heilung zu schaffen. 

Der Akt des Sterbens spielt im Schamanismus eine bedeutende Rolle und dient als Quelle schamanischer Kraft. Er steht für den Übergang von Unwissenheit zu Wissen.

Der Schamane nutzt seine Erfahrungen zur Heilung von Krankheiten und zur Lösung von Problemen in der Gemeinschaft.

Die traditionelle Ausbildung eines Schamanen variiert je nach Kultur, enthält aber:

  • Mentor oder Lehrer: Ein erfahrener Schamane führt den Schüler in die Rituale und Techniken ein
  • Mentale und körperliche Prüfungen: Oftmals zieht sich der angehende Schamane zurück, um durch Isolation, lange Meditationen, Fasten oder Visionssuche mit der geistigen Welt zu kommunizieren
  • Verbindung mit Krafttieren, Ahnen oder Geistern: Die schamanische Praxis baut auf der Zusammenarbeit mit spirituellen Helfern auf, die mit Hilfe schamanischer Reisen aufgesucht werden
  • Rituale und Heiltechniken: Der Schamane lernt, mit Trommeln, Rasseln, Gesängen, Ritualen, Räucherwerk, Pflanzenmedizin und Energiearbeit Heilung zu bewirken
  • Symbolischer Tod und Wiedergeburt: Der angehende Schamane stirbt sinnbildlich, um als Schamane neu geboren zu werden. In traditionellen Gesellschaften wird die Initiation oft von erfahrenen Schamanen geleitet, die den Schüler in die Geheimnisse der Praxis einführen Daher ist die schamanische Initiation nicht nur ein persönlicher, sondern auch ein sozialer Prozess, der die Rolle und Verantwortung des Schamanen innerhalb seiner Gemeinschaft definiert

In der modernen Welt gibt es auch alternative Wege, sich diesem Wissen zu nähern, zum Beispiel durch schamanische Workshops oder Selbsterfahrungen.

Bild eines gemalten Engels
Die Praxis von Jutta Krone

4. Die Nach-Initiation: Der Weg des Schamanen

Nach der Initiation beginnt die eigentliche Arbeit des Schamanen. Diese Phase ist geprägt durch:

  • Integration des Wissens in den Alltag
  • Entwicklung einer individuellen Praxis (Heilung, Ritualarbeit, Beratung)
  • Dienen der Gemeinschaft: Viele Schamanen nehmen eine Rolle als Heiler, Berater oder spirituelle Lehrer ein